Kardiologe Prof. Dr. Mario Deng, UCLA

Stiftung für Beziehungsmedizin

von Hans-Heinrich Reichelt

Eine sprechende Medizin – dafür steht Hahnemanns Heilmethode wie keine andere Fachrichtung. Dass eine solche Beziehungsmedizin immer und überall wahr ist, dass sie machbar ist und hilfreich in jeder Krisensituation, weit über die Homöopathie hinaus: Davon erzählt Prof. Dr. Mario Deng, einer der weltweit führenden Kardiologen. Er praktiziert an der UCLA in Kalifornien. Mit seiner Frau Federica Raia hat er eine Stiftung gegründet, um der Menschlichkeit in der Medizin auf die Sprünge zu helfen.

 

Der Arzt betritt das Krankenzimmer. Erwartungsvoll sitzt der Patient auf dem Bettrand, neben ihm seine Frau. "Also", sagt der Arzt, "wir werden Sie in den nächsten Tagen von dem Kunstherzen komplett abkoppeln, so dass Sie dann wieder mit Ihrem eigenen Herzen leben können."

Der Patient schweigt für ein paar Sekunden, starr vor Schreck. Dann fragt er verunsichert: "Aber das war doch gar nicht unsere Vorstellung! Das Kunstherz sollte doch nur eine Sicherungsbrücke zur Herztransplantation sein! Mein eigenes Herz ist zu krank, schafft das nicht mehr. Ihre neue Entscheidung verstehe ich jetzt nicht …"
Der Arzt wird eine Spur barscher im Ton. "Wissen Sie, Sie müssen nicht alles verstehen – das verunsichert Sie nur. Vertrauen Sie mir, wir wissen, was wir tun. Wir tun schon das Richtige." Dann geht er, die Zimmertür fällt ins Schloss. Der Patient, der sich auf ein neues Herz vorbereitet hatte, auf ein neues, vitales Leben, bleibt mit seiner Frau und all seinen Ängsten zurück. Klinikalltag, so oder ähnlich millionenfach erlebt in unserer westlichen, maschinengläubigen Hochleistungsmedizin. Kaum jemand macht sich die Mühe, den Schaden zu beziffern, den das ruppige Herz eines Arztes im Patienten anrichtet.

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Der Takt des Herzens

„Dieser bittere Dialog ist einer der Gründe, weshalb wir die Relational Medicine Foundation (BeziehungsMedizinStiftung) gegründet haben, eine Initiative, um die Beziehung zwischen dem Arzt und dem Patienten zu verbessern. Denn eines ist klar: Ein guter, ehrlicher und offener Kontakt hat für den Patienten nur Vorteile: Durch das Vertrauen zum Arzt bekommt der Patient eine Energie, einen Lebenswillen, der ihn schneller wieder gesund werden lässt“, sagt Mario Deng. Genau aus diesem Grund hat der Mann, den wir erst in New York und dann in Hamburg zum Interview trafen, gemeinsam mit seiner Frau, der italienischen Wissenschaftlerin Dr. Federica Raia, die Organisation für Beziehungsmedizin im wahrsten Sinne des Wortes ins Leben gerufen. Er weiß, wovon er spricht: Prof. Dr. Mario Deng ist medizinischer Direktor der Herztransplantationsabteilung in der Ronald Reagan UCLA (University of California in Los Angeles).  Die UCLA ist eine der renommiertesten Universitäten der Welt, gelegen im Stadtteil Westwood von Los Angeles. Die Klinik gehört zu den besten – den top five in den USA, ist mehrfach ausgezeichnet aufgrund ihrer Patientenzufriedenheit. Prof. Mario Deng selbst gehört zu den profiliertesten Kardiologen der Welt. In L.A . hat er den Olymp der Medizin erklommen. Der in Berlin geborene Sohn eines chinesischen Forst- und Holzwissenschaftlers und einer deutschen Juristin war lange Jahre Oberarzt an der Universität Münster. Im Mai 2000  gab er seine Münstersche Lebenszeitprofessur auf, folgte einem Ruf der berühmten Columbia University in New York und wurde dort Direktor der Herztransplantationsforschung. Einer seiner Patienten war Ex-US-Präsident Bill Clinton, der in der Columbia University Bypässe bekam.

Seit zwei Jahren nun arbeitet Prof. Mario Deng in Los Angeles an der UCLA – eine Kapazität als Wissenschaftler, einer, der High-Tech-Medizin fordert und fördert. Aber auch ein Arzt aus Leidenschaft, ein Mann mit einem großen Herzen für seine Patienten. Ein Mann, der seinen Patienten nahe ist, der nicht nur Maschinen und deren Aufzeichnungen vertraut, wenn er mehr über die innere Kraft der Kranken erfahren will.

 

Was, wenn der Händedruck schwach ist?

"Drücken Sie meine beiden Hände", sagt Prof. Mario Deng dann zu dem Patienten oder der Patientin, denen eine Operation auf Leben und Tod bevorsteht, "kräftig! Seien Sie nicht schüchtern, zeigen Sie mir, was in Ihnen steckt!"
Er erklärt mir, warum ihm das wichtig ist: "Dieser Händedruck ist mein wahrer Herztest, er sagt mir das Entscheidende, was ich wissen muss. Denn er sagt mir mehr über die innere Bereitschaft, leben zu wollen. Und der Händedruck drückt aus, ob der Betroffene Kräfte mobilisieren kann, um all das, was auf ihn zukommt, zu bestehen. Denn wir dürfen eines nicht vergessen: Wir sind mit der besten Medizin und den besten OP-Methoden hilflos, wenn der Mensch nicht gesund werden will, wenn er gar nicht leben will. Wer den geistigen Tod stirbt, dem wird der körperliche bald folgen."

Was geschieht, wenn der Händedruck schwach ist? Wenn er signalisiert: Ich will bzw. kann eigentlich nicht mehr?
"Was dann passiert?" wiederholt Professor Deng die Frage. "Das will ich Ihnen sagen. Dann rede ich mit dem Patienten noch einmal. Nicht nur zehn Minuten... sondern so lange er braucht, um mir seine Ängste, seine Unsicherheiten zu erklären. Um im wahrsten Sinne des Wortes durchzuatmen. Und dann, nachdem ich ihm zugehört habe, nachdem ich vielleicht sogar mit ihm geweint habe, machen wir den Händedruck noch einmal." Was verändert sich durch dieses Gespräch? Der Herzspezialist lächelt. "Dann spüre ich meist die Lebenskraft, das Ja zum Leben – und nicht nur das Ja zum Eingriff."

 

Wie viel Zeit kostet Mitgefühl?

Soziale Kompetenz, Wertschätzung, Menschlichkeit – der Mangel an diesen Eigenschaften wird nach wie vor auch in Deutschland vielfach beklagt. Nicht nur in Praxen, auch in Kliniken – an den Orten also, wo Patienten hingebracht werden, weil ihre Situation zu bedrohlich für einen normalen Alltag geworden ist. Orte, an denen Schwestern, Pfleger und Ärzte oft und oft auch zu Recht über Überforderung, schlechte Bezahlung und kaum verantwortbare Dienstpläne mit extrem langen Schichten klagen. Das ist mit Sicherheit ein Kriterium, wenn es darum geht, Patienten gegenüber geduldig und freundlich zu sein, ihr oder ihm zuzuhören und persönliche Wünsche und Befindlichkeiten zu achten. Doch es ist nicht das einzige. Ein anderes ist Arroganz. Selbstherrlichkeit ist ein Fossil aus der "Götter in Weiß"-Ära, das auch heute nur schwer totzukriegen ist.

 

Die Situation in Deutschland

Doch die Überheblichkeit und Ignoranz gegenüber Patienten-Befürfnissen hat noch keinen Kranken wirklich gesund gemacht – eine Erkenntnis, der sich offensichtlich auch  Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer und der Ärztekammer Hamburg, nicht verschließt. Montgomery, nicht nur Ärztefunktionär, sondern ein Leben lang engagierter Arzt an der Uni-Klinik Hamburg Eppendorf, kritisierte das bisherige Numerus clausus-Verfahren, das die Auswahl "allein nach der Abiturnote" treffe. Der Numerus clausus für das Medizinstudium liegt fast überall inzwischen bei 1,0. Doch die gute Abiturnote sagt zwar viel über Lernfähigkeit, Auffassungsgabe, Disziplin und IQ – doch der menschliche Faktor und die soziale Kompetenz, die gerade in der Medizin so ungemein wichtig sind, bleiben in dieser Gesamtnote ungeprüft und werden an der Uni nicht einmal gelehrt.

Auf die Frage, ob das ein sinnvolles Verfahren sei, um die Ärzte von morgen auszubilden, antwortete Montgomery: „Natürlich nicht! Wir brauchen vielmehr Assessment-Center, in denen die Anwärter nach Eignung ausgesucht werden können. Ein solches Testverfahren würde einmalig pro Bewerber rund 1000 Euro kosten. Angesichts von Kosten eines Studiums von mehr als 200 000 Euro wäre dies eine sinnvolle Investition. Vor allem, wenn man diese Summe ins Verhältnis zu den Kosten von Fehlausbildung setzt.“

 

Weil wir uns selbst nicht sehen können …

Mario Deng, Leiter eines 12köpfigen Kardiologen-Teams an der UCLA, und seine Frau Federica Raia, die eine Professur an der UCLA Graduate School of Education and Information Studies (GSEIS) und UCLA David-Geffen School of Medicine at UCLA innehat, erforschen das Kommunikationsverhalten und trainieren die Ärzte auf vielfältige Weise, um auch in Zukunft hinsichtlich der Patientenzufriedenheit an der Spitze zu liegen. Zusammen leiten beide die RelationalMedicineFoundation. Sie organisieren Seminare, zeigen Filme, halten Vorträge, lassen Theaterstücke schreiben und aufführen, die Ärzten den Klinikalltag und die damit verbundenen Folgen sehr deutlich vor Augen halten.


Deng lebt das, was er von Ärzten erwartet, täglich vor. "Es kann nicht sein", kritisiert er empört, "dass Patienten ihr Grundrecht, eine Person zu sein, an der Kliniktür abgeben. Ich will, dass sie von uns Ärzten so gut informiert werden, dass sie Eigenverantwortung übernehmen und eine Entscheidungsqualität bekommen, die wichtig ist. Wir müssen auch in einer Sprache sprechen", betont er, "die die Menschen verstehen – kein Fachchinesisch. Wir müssen Patienten ernst nehmen! Ich muss als Arzt die bestmögliche Kraft geben, damit der Patient durch diese Krise hindurchkommt. Und er muss spüren, dass ich das Bestmögliche gebe. Es steht mir doch nicht an, zu sagen: 'Nein, nein, das sind keine Schmerzen, die Sie mir schildern – das sind nur Ihre Nervenzellen'. Oder zu behaupten: 'Das kann nicht sein, was Sie mir da gerade erzählen'. Die Beziehung zwischen Arzt und Patient muss ein unverwechselbare Beziehung sein – ein Begegnungsschatz."

 

Den Mut haben, sich einschätzen zu lassen

Der Wissenschaftler, der mit anderen internationalen Kardiologen u. a. einen Bluttest entwickelt hat, der die nicht ungefährliche Biopsie vom implantierten Herzen ablöst und in kürzester Zeit die Antwort gibt, ob ein neues Herz vom Körper angenommen oder abgestoßen wird, scheut sich nicht, sich und sein Team von Patienten bewerten zu lassen. Derzeit wird in Deng's und Raia’s Forschungsteam ein Web-Tool eingerichtet, auf dem die Patienten die Ärzte bewerten können – auf einer Skala von 1 bis zehn. In Vorbereitung ist auch eine App, auf dem die PatientInnen ihre Erfahrungen eintippen können. Mario Deng: "Wenn der Patient um zehn Uhr bei mir einen Termin hatte, um halb gegangen ist, dann kann ich schon wenige Minuten danach sein Feedback haben –  und mich über eine positiven Gedanken freuen oder aus den Fehlern, die wir gemacht haben, lernen. Nur so habe ich die Chance, sie nicht zu wiederholen, zum Segen dieses Patienten. Denn nur um das Wohl des Patienten geht es! Deshalb bin ich Arzt geworden."

 

Text: HHReichelt, Fotos: Mario Deng privat, UCLA, fotolia.com

Das UCLA in Kalifornien über sich selbst

Das UCLA Gesundheitssystem zählt zu den umfassendsten und fortschritt- lichsten Gesundheitssystemen der Welt. Unsere Vision ist, die Menschheit zu heilen, immer einen Patienten zurzeit, indem wir die Gesundheit verbessern, Leiden erleichtern und indem wir gute Taten vollbringen.

Ronald Reagan UCLA Medical Center rangiert als
• eines der top 5 US-amerkianischen Krankenhäuser  (U.S.News & World Report)
• als bestes Krankenhaus im Westen der USA in 22 aufeinander folgenden Jahren (U.S.News & World Report)
• bestes Herztransplantationsprogramm (U.S. Department of Health and Human Services), (mehr als 50 Erwachsenen/Kinder Herztransplantationen im Jahr 2011)
• bestes Krankenhaus in den USA, was die Patientenzufriedenheit angeht.

http://relationalmedicinefoundation.org/

 

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