GLOBULiX Portrait Katinka Reichelt

Rezepte von einem anderen Stern

Vor 11 Jahren zog sie aus, Dubai zu erobern. Sie war 19, in Manhattan war am Tag zuvor das World Trade Center eingestürzt, die Flughäfen in den Emiraten waren geschlossen. Ihr großer Bruder schwor, sie nicht gehen zu lassen. Nachgeben sieht bei Katinka Reichelt so aus: "Gut. Dann warte ich eben noch zwei Tage."
 
Was ist Ihre erste Erinnerung an Dubai?
Ich war 17, meine Freundin Steffi und ich hatten Ferien und sind nach Dubai geflogen. Wir wurden vom 'Four Point Sheraton' mit einem tollen Auto vom Flughafen abgeholt. Alles sah total luxuriös aus … obwohl es im Vergleich zu heute noch überwiegend Wüste war. Das Burj al Arab hatte noch nicht einmal eröffnet, Strandhotels gab's nur alle paar Kilometer.
Fiel da schon die Entscheidung, hier zu leben?
Ja, das haben wir gleich im ersten Urlaub beschlossen.
Gab's ein Ziel?
Überhaupt nicht. Sonne, Strand und Spaß haben und nach Möglichkeit nicht studieren.
Warum – was war falsch an einem Studium?
Ich habe die Schule unglaublich gehasst und hatte keine Lust auf Lernen, Bücher und all das. Uni schien das Gleiche zu sein – das wollte ich auf keinen Fall! Außerdem hab ich mir vorgestellt, dass man hier auch keine tolle Ausbildung braucht, um erfolgreich zu sein. Ich war einfach total blauäugig.

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DER TRAUM VOM UNGETRÜBTEN GLÜCK
 
Wann hat es gedämmert, dass die Wirklichkeit ein bisschen anders aussieht?
Als ich bei der Event-Agentur, bei der ich gejobbt hab, nicht mehr happy war und zu einem Vorstellungsgespräch gegangen bin vom Bustan Rotana Hotel und das Gehaltsangebot 2000 Dhs betrug – etwa 410 Euro. Da ist mir aufgegangen, dass es ohne Ausbildung vielleicht doch nicht geht.
Was geschah dann?

Ich hab' mich entschlossen, zu studieren und angefangen, nach der richtigen Uni zu suchen. Zuerst hab ich mir die American University angekuckt, weil ich an Interior Design interessiert war. Und dann erzählte mir meine Mutter von der Emirates Academy of Hospitality Management. Sie hatte in Deutschland darüber gelesen, dass die Academy eine der besten Hotelfachschulen weltweit sein sollte. Ich bin sofort hingefahren – und das war's! Als ich angenommen wurde ... genial. Ich bin nach dem Interview mit Herzrasen zurückgefahren zu meinem job im Event-Büro. Als ich dort ankam, hatte ich schon die Zusage. Ich glaub, ich hab sogar vor Glück geweint.
Gab's auch gute Erlebnisse in der Event-Agentur?
Mein Englisch hat sich extrem verbessert, weil ich alle Übersetzungen machen musste. Und ich hab dort begriffen, dass ich wirklich studieren muss. 

Hat die Hotelfachsschule das gehalten, was sie versprochen hat?
Oh ja. Da war es toll. Alles, die Fächer, der Campus, die Leute, das ganze Leben … viel toller als Schule. Ich hab dort gelernt, im Team zu arbeiten, alles über Hotelfach, ein Business aufzubauen, professionell in der Küche zu arbeiten, ein Business-Konzept für mein eigenes Restaurant zu entwickeln und von A-Z durchzuführen. Ich hatte das Gefühl, dass ich einen Platz gefunden hab, wo ich richtig gut bin, Freunde finde, Erfolg haben kann und irgendwo reinpasse. Das Gefühl hatte ich in der Schule nie ... dass ich je irgendwo reingepasst hätte.
Wie war das Gefühl nach dem Staatsexamen an der Uni?
Großes Glück, dass ich fertig war und einen super Abschluss gemacht hatte. Aber auch traurig, weil die Zeit vorbei war.
 
EINES TAGES: EIN EIGENES RESTAURANT
 
Wollten Sie von Anfang an irgendetwas im Restaurantbereich machen?
Ja. Ich hab immer schon gern gebacken und gekocht, aber die Leidenschaft kam bei den Cooking-Classes von Mr. Kitts an der Academy, einem Super-Chef aus London. Als wir dann ein eigenes Restaurant-Konzept im Rahmen der Ausbildung entwickeln und umsetzen mussten, ist es zu meinem Traum geworden, irgendwann ein eigenes zu eröffnen. Das Uniprojekt war super aufregend und herausfordernd. Wir hatten alle keine Ahnung, ein winziges Budget von 100 Euro und dann haben wir Sponsoren gesucht, die alle auf unsere Idee flogen: Serenity, tempt your senses, mood food. Wir hatten vier Katgorien entwickelt: Balance, Energy, Seduction (Verführung) und Indulgence (Schwelgen). Ich habe zeitweise im Sitzen gekocht, mein Rücken tat höllisch weh, und ich hatte die wüstesten Beschwerden von dem Essen, weil ich kein Gluten vertrage – also so ungefähr alles, was wir serviert haben. Es war egal! Das Restaurant war ausverkauft, bevor wir überhaupt eröffnet haben und wir hatten die wichtigsten General Manager der großen Hotels und zahllose VIPs als Gäste. Die Leute gingen zum Drink vor dem Essen ins Burj al Arab, das genau gegenüber der Uni liegt – und sind dann aber zum Essen zu uns gekommen.


Trotzdem haben Sie dann einen ganz anderen Weg eingeschlagen …
Ja, weil ich zu dem Zeitpunkt schon eine miserable Gesundheit hatte. Und die kann man sich im Restaurant-Business als Letztes leisten. Deshalb hab ich zuerst nach der Uni im Real Estate gearbeitet, Villen und Appartments für Ferien- und Dauergäste vermietet. Dadurch hab ich ein Gefühl für gute Immobilien-Lagen, Qualität der Häuser, Vermietbarkeit, Marketing und Customer Service bekommen. Manche Immobilien sehen hier toll aus, liegen gut, sind aber saumäßig gebaut.
Und dann ist Ihr Leben komplett zusammengekracht …
Ja, eines Morgens bin ich mit Rückenschmerzen zur Arbeit gegangen. Und mittags konnte ich dann nicht mehr aufstehen.
Was war passiert?
Das wusste ich nicht. Ich konnte mich einfach nicht mehr bewegen. Mein Mann, mit dem ich gerade 6 Monate verheiratet war, hat mich abgeholt, und nach kurzer Zeit war klar, dass ich ins Krankenhaus musste. Dort haben sie mich so zugedröhnt mit Medikamenten, dass mir alles ziemlich egal war und es mir mit jedem Tag schlechter ging. Es war der dritte Krankenhausaufenthalt in Dubai. Ich hatte seit Jahren furchtbare Rückenschmerzen und meine Eltern haben mich nur auf der Uni zurückgelassen, weil ich versprochen hatte, dass ich nach Deutschland zurückkehre, wenn ich es schmerztechnisch nicht schaffe. Alle Arten von Spezialisten hatten immer gesagt, es sei ein Bandscheibenvorfall. So war es auch diesmal wieder. Sie wollten das operieren. Gott sei Dank haben sie mich so mit Tabletten vergiftet, dass ich anschließend Magengeschwüre, eine Bauchspeicheldrüsenentzündung und innere Blutungen hatte. Das hat dazu geführt, dass meine Mutter mich unter den wilden Flüchen und Drohungen der Ärzte aus dem Krankenhaus geholt hat.
 
PLÖTZLICH VOR DEM NICHTS
 
Hatten Sie nicht langsam die Nase voll von Dubai? Wie ging es dann weiter?
Nein, nicht wirklich. Ich bin nach Hause geflogen und dort stellte sich nach Wochen heraus, dass an mehreren Stellen Wirbelgelenke gebrochen und die Bandscheiben zerstört waren. Die Lendenwirbelsäule musste versteift werden.
War damit der Traum zu Ende?
Ja, für eine lange Weile. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich je wieder dahin kommen würde … dass ich das je schaffen könnte.
 

Dubai, Katinka Socrat, gluten free, Churchill Tower Churchill Executive Tower, Dubai

Was war der nächste Schritt?
Immer nur der nach dem vorherigen. Erstmal hab ich den Traum begraben. Dann fiel mir eine Idee wieder ein, die ich schon zu meiner Real-Estate-Zeit gehabt hatte, als ich gerade selbst in der Vorhochzeits-Phase war: einen Online-Store für werdende Bräute zu eröffnen. Es war klar, dass ich nach der Operation nicht mehr arbeiten konnte wie bisher. Also hab ich auf dem Rücken gelegen und innerlich den Online Store und das Konzept dafür entworfen. Ich hatte noch keine Ahnung von Online-Design, dass kam erst in den Monaten nach der OP, als ich nichts anderes machen konnte als es eben zu lernen – liegend. Da konnte ich sozusagen all meine frisch verheiratete Bräutlichkeit austoben, die ich sonst nicht mehr so richtig wahrnehmen konnte. Mein Bruder hatte mir zu Weihnachten den Namen zum Store geschenkt: The Bride Side of Life. Er hat die fertige Visitenkarte dazu in einen durchbrochenen Stern gepackt, und der hing an einer roten Schleife am Galgen über meinem Krankenhausbett. Damit ich so etwas wie Perspektive und Vorfreude hatte.
Wie lange hat es gedauert, bis das Projekt Gestalt annahm?
Gar nicht so lange. Als ich erstmal fähig war, daran zu arbeiten, nahm es jeden Tag mehr Form an, und es verändert sich permanent, bis heute. Es wächst ständig. Nach acht Monaten Therapie in Deutschland sind wir nach Dubai zurückgegangen und ich bin damit in Dubai gestartet, immer noch weitgehend liegend.
Wie geht sowas?
Es war eine Riesenumstellung, weil ich so viele Dinge wieder allein machen musste, bei denen mir vorher meine Eltern geholfen hatten. Ich war immer noch im Rollstuhl, konnte nur mit Krücken gehen, die Schmerzen nur mit Opiaten ertragen und die ganze Zeit war ich auf Hilfe angewiesen.
Das klingt ein bisschen wie die Lebensgeschichte von Frieda Kahlo …
Ja, das ist wirklich ein bisschen ähnlich, außer dass ich noch nicht so berühmt bin. Der größte Schritt war nach dem ersten Jahr mit versteiftem Rücken der Umzug in eine größere Wohnung – mit mehr Raum, in dem ich mich bewegen konnte, mehr Licht. Wir hatten vorher nur eine kleine Zweizimmerwohnung, die vollgstopft war mit normalen Möbeln, aber dann eben auch noch zusätzlich Krankenbett, Rollstuhl. Ich habe immer weiter an The Bride Sde gebaut, wenig später gleich einen zweiten Online Store eröffnet: Dubai Baby Shop. Ich hab all meine verlorenen Träume in die Online Stores gepackt.
 
AUF GROSSEN UMWEGEN ZUM ZIEL
 
Wie war der Erfolg?
Groß, von Anfang an. Nur positives Feedback über die Kollektion, nur glückliche Bräute und werdende Mamis, was mir total gut getan hat natürlich.
Gab es sonst noch irgendetwas Gutes in dieser Zeit?
Ganz viel. Ich hab mein Business aufgebaut, war endlich in einem Job, der mir richtig Spaß gemacht hat. Ohne diese Erfahrung hätte ich sicher nicht TASTE LIFE grgündet. Eines hat zum anderen geführt. Nach zwei Jahren konnte ich wieder Auto fahren. Nach drei Jahren hatte ich mein erstes eigenes Büro.
Womit wir beim gluten-freien Online-Store wären … wie ist diese Idee entstanden?
Rückwirkend betrachtet hab ich wahrscheinlich mit The Bride Side Anlauf genommen und Erfahrungen gesammelt. Wie ein Online Business funktioniert, wie man Kunden gewinnt und hält – all das hab ich dadurch gelernt. Ich bin ziemlich gut im Customer Service geworden, das ist zumindest das Feedback meiner Kundinnen. The Bride Side of Life ist so ein typisches Mädchen-Business. Ich mache immer Dinge, die mir vertraut sind, nahe sind, mit denen ich persönlich was zu tun habe und auch, damit ich nicht wie der Blinde von der Farbe rede. Das ist auch bei TASTE LIFE so. Dass ich es dann tatsächlich umgesetzt hab, ist aus der Traurigkeit über den Tod meines Pferdes entstanden.
Was hat denn das eine mit dem anderen zu tun?
Ich brauchte einfach etwas, um mich abzulenken.
Während der Krankheit ist mir langsam aber sicher bewusst geworden, dass mein Rücken irgendwie mit der Zöliakie zusammenhängt, die ich seit meiner Kindheit habe. Dass ich kein Gluten vertrage, kam erst heraus, als ich fast 20 war, was übrigens den meisten Menschen so geht … wenn es überhaupt diagnostiziert wird. Bis dahin waren schon diverse Sachen in meinem Körper kaputt, u.a. eben auch der Rücken. Heute weiß man, wie eng Glutenunverträglichkeit und diverse chronische Erkrankungen zusammenhängen, aber vor 10 Jahren war das noch Neuland.


 

Und wo kommt jetzt das Pferd ins Spiel?
Ich hatte dieses Pferd, seit ich 12 war. Wir haben ihn behalten, obwohl ich nach Dubai gegangen bin. Es war einfach undenkbar, ihn zu verkaufen. Durch den gebrochenen Rücken war klar, dass ich ihn nie wieder würde reiten können. Trotzdem hat er mich durch die ganze Krankheitszeit in Deutschland getragen. Ich hab fast jede Nacht von ihm geträumt… dass ich ihn wieder reiten könnte. Er hat mich quasi aus dem Bett geholt, weil ich immer wieder unbedingt zu ihm fahren wollte und ihn sehen, wo ich nun schon mal in Deutschland war … egal, wie furchtbar die Schmerzen waren. In gewisser Weise hat er mir das Leben gerettet, sonst wär ich einfach liegen geblieben. Letztes Jahr brach er sich in einer Nacht das Bein, einfach so. Ich war untröstlich. Ein paar Tage, nachdem er gestorben war, hab ich mich nachts um 1 oder 2 entschlossen, den glutenfree-supermarket zu gründen und morgens um 8 damit angefangen, das Design für die Homepage zu entwerfen. Es sollte eine Mischung aus Online Store, tollen Rezepten, medizinischem Background und Informationen über sanfte Therapien wie Homöopathie und Physiotherapie werden, die mir selbst sehr geholfen haben. Ich wollte nicht, dass andere Menschen durch das gehen müssen, was ich erlebt hat, wenn man das durch die richtige Ernährung verhindern kann.
 
EIN FILMREIFES HAPPY END
 
Das ist ein ziemlich eigenwilliges Konezpt.
Ja, und aus meiner Sicht genau das, was fehlt. Jeden Tag kriege ich Emails von glücklichen Eltern, weil das Leben ihrer Kinder neu angefangen hat, seitdem es unseren Supermarkt gibt. Ich werde nicht müde, immer wieder neue Rezepte auszuprobieren, sie auf facebook zu stellen oder für Märkte selbst zu backen. Es ist das erste Business, das ich gemeinsam mit meinem Mann umsetze. Wir haben große glutenfreie Pläne.
Glutenfreie Produkte haben, was den Geschmack angeht, ja oft einen fürchterlichen Ruf.
Nicht unsere. Dadurch, dass ich selbst glutenfrei essen muss, kenne ich die besten Sachen im Markt und weiß, wie man sie so zubereitet, dass sie besser schmecken als "normales" Essen. Wenn man die Horrormeldungen verfolgt, was Gluten alles an gesundheitlichen Schäden anrichtet – und davon kann ich wie gesagt ein Lied singen – ist es gut, seine Möglichkeiten zu kennen. Glutenfrei Kochen ist im Anfang nicht leicht. Aber wenn man sich damit abfindet, dass man erstmal eine Menge wegschmeißen muss, wird man immer besser. Wir sind noch in der Anfangsphase, aber der Store wird super angenommen. Wir machen übrigens die besten glutenfreien Kekse, Brote und Brötchen der Welt. Fragen Sie mal in Abu Dhabi auf dem Markt.
Liegt der Erfolg an den gluten-freien Rezepten oder an der Hintergrundrecherche?
An beidem. Wir kombinieren die besten Produkte, die der Markt anzubieten hat, mit tollen Rezepten und den besten Infos. Tolle Mehle bringen einen ja nicht weiter, wenn man nicht weiß, was man damit machen soll.
Was ist aus dem Traum vom Restaurant geworden?
Er ist lebendiger als je zuvor.
 
Mehr infos: www.chefkatinka.com

Neueröffnung in Deutschland: www.flourrebels.com


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